Ideenspektrum

Möglichkeiten und Ideen für eine enkeltaugliche Welt der Zukunft

Socialbanking

(Zitat aus: Julian Kühn, in "Zukunftsgerecht leben - Würde statt Wachstunswahn")

Zum Glück gibt es für den Begriff „Social Banking“ keine enge Definition. Man spricht manchmal auch vom ethischen oder nachhaltigen Bankwesen, oder vom Banking on Values, oder vom Social Responsible Banking. Mit diesen verschiedenen Bezeichnungen ist eigentlich immer das gleiche gemeint, es werden lediglich unterschiedliche Aspekte der einen Sache betont.

Banken, die sich als soziale oder ethische Banken verstehen, gibt es einerseits in Europa, z.B. die GLS-Bank, die in den 1970er Jahren gegründet wurde, und weitere 20 bis 25 Banken. Viele dieser Banken sind aus der Anthroposophie hervorgegangen, aber es gibt auch Banken mit ganz anderen Wurzeln. In Deutschland gab es auch mal die Ökobank, die später mit der GLS-Bank fusionierte. In der Schweiz gibt es die Alternativbank, die, ebenso wie die Ökobank, aus dem politischen Umfeld der Grünen entstanden ist. Die Banca Ethica in Italien ist aus einem sozial-katholischen Hintergrund entstanden. In meinem Ausbildungsinstitut macht es besonders Freude, wenn Menschen mit diesen verschiedenen Hintergründen ins Gespräch kommen. Zu den ethischen Banken würde ich auch die ganzen kirchlichen Banken hinzurechnen, von denen es auch in Deutschland einige gibt. Wenn man mehr weltweit schaut, hat man zusätzlich auch den ganzen Bereich der Mikrokredit-Banken, die in gewisser Weise auch zu den sozialen Banken zählen. Das Gemeinsame all dieser Banken sind bestimmte Qualitäten, auf die ich gleich noch zu sprechen kommen werde.

 

 

Unter diesen Banken gibt es Netzwerke, zum Beispiel die „Global Alliance for Banking on Values“ (GABV), in der beispielsweise auch die GLS-Bank und die Triodos-Bank Mitglied sind.

 

 

Aber was sind nun die Eigenarten der Social Banks? Da ist es besonders die Transparenz, die erwähnt werden muss. Jeder Mensch, der mit einer solchen Bank zu tun hat, soll wissen, was mit seinem Geld finanziert wird, also um welche Projekte es jeweils geht. Die meisten der Social Banks veröffentlichen jeden einzelnen Kredit den sie vergeben mit Namen, Betrag und Verwendungszweck. Wenn jemand Geld auf einem Sparkonto einlegt, kann er erfahren, wohin das Geld von der betreffenden Bank gegeben wird. Ein weiteres Merkmal ist, dass die inhaltlichen Anliegen und Kriterien bedeutend sind. Da geht es um Werte, die zum tragen kommen, wenn darüber entschieden wird, wohin Geld gegeben wird, dass zum Beispiel solche Wohnprojekte gefördert werden, die nicht mit Spekulationen verbunden sind. Für jeden Bereich gibt es besondere soziale und ökologische Gesichtspunkte, die berücksichtigt werden. Und dann würde ich auch noch die Verantwortung als Merkmal der Social Banks nennen. Nicht nur die Bankmitarbeiter handeln verantwortungsvoll, auch die Kunden übernehmen Verantwortung, indem sie sagen wohin ihr Geld gehen soll. Wollen sie Schulen damit unterstützen, oder landwirtschaftliche Projekte, oder etwas Anderes? Das entscheiden die Kunden, die Verantwortung darüber übernehmen, was mit dem Geld geschieht.

 

 

Wichtig sind auch Solidarität und Gerechtigkeit. Führt die Tätigkeit der Bank zu einer Vergrößerung der Umverteilung zwischen Arm und Reich, oder wird dieses Problem etwas gemildert? Machen die Banken konkret etwas, um die Folgen von Armut zu lindern?

 

 

Die GLS-Bank sagt ja in einem Slogan „Geld ist für Menschen da“, womit gesagt wird, dass Geld keinen Zweck in sich hat, sondern das es ein Werkzeug, ein Gestaltungsmittel ist, das sinnvoll für die Menschen eingesetzt werden kann. Geld ist ein Instrument, das von Menschen gemacht wurde. Also kann man es auch verändern.

 

Hierarchie der Macht des Geldes

Unaufhörlich wird die Menschengemeinschaft im Sinne des Geldsystems sortiert. Es ist, als würde ein neues Kastensystem installiert, dem die Menschen, in Armut oder Reichtum geboren, für die Zeit ihres Lebens unausweichlich unterworfen sind. In dieses Kastensystem finden sich ganze Staaten ebenso eingeordnet, wie einzelne Menschen. Eine neue Hierarchie gibt den Beziehungen zwischen Menschen und Nationen Gestalt.  

 

Meistens versteht man unter dem Begriff „Hierarchie“ ein System, in dem Elemente einander über- und untergeordnet sind. Im Sinne der vorherrschenden Ökonomie hat das mit der Verfügbarkeit von Geld oder von Möglichkeiten zur Schaffung von monetärem Reichtum zu tun. Auch für die Staatengemeinschaft auf dieser Erde gilt eine hierarchische Ordnung, in der arme und reiche Staaten in einem Ranking voneinander unterschieden werden. Neben der direkten Verfügbarkeit von finanziellen Ressourcen (durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen) gehen in den so genannten Weltentwicklungsindex (Human Development Index) der Vereinten Nationen auch die Lebenserwartung und der Bildungsgrad ein. Der Wohlstandsindex des Londoner “Legatum Institute” berücksichtigt darüber hinaus auch noch Glück, Wirtschaftswachstum, Innovation, Staatsführung, persönliche Freiheit und Sicherheit.

 

Unter Anwendung dieser Kriterien können die reichsten und die ärmsten Staaten der Erde ebenso ermittelt werden, wie ein weites „Mittelfeld“ sichtbar wird. Die Top five der Liste sind Norwegen, Island, Schweden, Australien und die Niederlande (die USA rangieren auf Platz 7 und Deutschland auf Platz 18 der Liste). In Afrika konzentriert sich das größte Kontingent (33 Länder) der 48 ärmsten Länder der Erde, die man als „Least Developed Countries“ oder als vierte bzw. fünfte Welt bezeichnet. Gemeint sind Staaten, die aufgrund der dort herrschenden Armut keine Möglichkeit haben, ihre Situation durch Anschluss an die Weltgemeinschaft zu verbessern.

 

Neben den reichen und armen Staaten hat sich besonders in den vergangenen Jahrzehnten eine Hierarchie herausgebildet, in der sich Firmen und Konzerne zueinander geordnet finden. Die letzte Jahrtausendwende war diesbezüglich eine Art Schwelle, von der aus eine völlig neue Ordnung der Welt sichtbar zu werden begann. 1999 fand die WTO Tagung in Seattle statt, was den Auslöser zur Entstehung der Antiglobalisierungsbewegung abgab. Das war nämlich eine Zeit in der von den 100 größten Wirtschaftseinheiten weltweit bereits 51 Firmen und 49 Staaten waren. Die Einnahmen der 200 weltweit größten Firmen betrugen damals bereits mehr als ein Viertel der gesamten, weltweiten Wirtschaftsaktivität. Erstmals waren der überwiegende Teil des globalen Kapitals und der Wertschöpfung der Lenkung durch demokratisch gewählte Regierungen komplett entzogen. In der Zeitschrift „Der Spiegel“ wurde damals formuliert, dass „eine neue Topografie der Macht entsteht, die keinen Nationalstaat mehr kennt.“ Und zu welchen neuen Lebenstatsachen führte schon damals diese neue Topografie der Macht?

 

Im Jahr 2001 waren weltweit 1 Mrd. Menschen ohne Erwerbsarbeit, das sind mehr als die EU, USA, Japan und Russland zusammen Einwohner haben. Von diesen 1 Mrd. arbeitslosen Menschen lebten allein 34 Millionen in den OECD-Staaten. Nehmen wir noch hinzu, dass weltweit damals bereits 1,6 Mrd. Menschen weniger als 2 Dollar pro Tag für die Deckung ihres gesamten Lebensbedarfs zur Verfügung hatten, wird einem die Faktenlage bezüglich der Wirkungen der Umverteilung schlagartig bewusst, die sich bis heute noch weiter verschärft hat.

 

Aber auch anderes geschah! Ausgehend von einem 1997 erschienen Zeitungsartikel über die Tobin-Steuer entstand seit 1998 die NGO Attac. 2004 folgte Lobby Control. In beiden Organisationen engagieren sich immer mehr Menschen für eine Aufdeckung eklatanter Ungerechtigkeiten und die Schaffung von Alternativen in Bezug auf neue Formen im Umgang mit Geld, wie sie den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gegenüber unter den Vorzeichen von Menschlichkeit, Demokratie und Gerechtigkeit angemessen sein werden.

 

Die "Permakultur"

Zwei Australier, Bill Mollison und David Holmgren, haben in den 1970er-Jahren das Konzept der Permakultur entwickelt. Zunächst ging es ihnen darum, für die Landwirtschaft ein Konzept zu schaffen, das naturnah Kreisläufe berücksichtigt, schafft und bewahrt. Schon bald ergab sich, dass das Konzept auf alle Bereiche des Lebens anwendbar ist. Permakultur führt dazu, das eigene Handeln in den Einklang mit der Mitwelt zu bringen.

Ronny Müller zur Permakultur: "Bei der Permakultur geht es viel um Systemgestaltung. Es handelt sich also nicht um eine Anbauweise, sondern um ein Gestaltungskonzept. Die Systeme sollen dauerhafte Qualitäten bekommen, sie sollen dauerhaft, „permanent“ sein. Es geht um eine dauerhafte Kultur. Für mich bedeutet das auch, dass es um innere Kultur geht, denn daraus geht meine Haltung hervor, aus der heraus ich in der Welt lebe. Welches Licht entzünden wir durch unsere innere Haltung in der äußeren Welt? Da geht es um Kreation und um Pflege. Vieles davon entwickeln wir gemeinschaftlich. Permakultur soll dabei helfen, gangbare Wege in einer Welt zu finden, in der zugleich auch viel zerstörendes geschieht. Das Negative und Destruktive ist im Leben offenkundig und bekommt darum auch viel Energie. Das führt oft dazu, dass Menschen in Resignation oder übertriebenen Aktionismus geraten, wenn sie sich mit all den Problemen konfrontiert sehen. Wie also können wir gelassen sein und bleiben? Wie erleben wir das Warten auf den richtigen Augenblick des Handelns als Qualität?

In der griechischen Philosophie ist vom „Kairos“ die Rede, wenn der genau richtige Moment gemeint ist. Ganz praktisch kommt es in der Landwirtschaft auf den genau richtigen Feuchtigkeitsgehalt, auf die genau richtige Temperatur an, um etwas bestimmtes zu tun. Die Umgebung spielt in allem auch eine wichtige Rolle, also das Zwitschern der Vögel, das Wehen des Windes. Alles das gehört zusammen in einem Informationsfluss, der alles durchzieht. All das liefert Aspekte zum Kairos, zum richtigen Moment, in dem eine Idee vielleicht ganz plötzlich in die Welt kommen kann. Es kann sein, dass so eine Idee schon ganz lange angelegt war, vergleichbar mit dem Genmaterial beim Samen, und dann kommt die Mitwelt und gestaltet das aus was aus dem Samen wird. Es handelt sich um eine Interaktion zwischen zwei Informationen, zwischen dem was da ist und dem was kommen will. Das wirkt zusammen.

In der Permakultur ist sehr viel Philosophisches enthalten. Bill Mollison und David Holmgren haben in Australien die gestörten Systeme gesehen und bemerkt, das darin nichts Dauerhaftes ist. Wie sich unsere Wirtschaft vorherrschend entwickelt kann nicht nachhaltig sein. Das bemerkt man auch in der Landwirtschaft. Bill Mollison und David Holmgren stellten sich die Frage, wie sich mit allem eine dauerhafte Kultur gestalten lässt, die prinzipiell für alle zukünftigen Generationen möglich wäre. Dafür haben sie sich viel von den australischen Aborigines und von der Natur abgeschaut. In der Permakultur gibt es den schönen Spruch: „Permakultur ist der Tanz mit der Natur, in dem die Natur führt.“ Darin tritt ein großer gedanklicher Shift zutage, weil aus einer veränderten inneren Haltung veränderte Handlungen und Wirkungen hervorgehen."