Wie die "Steinschleuder" zu ihrem Namen kam

(pk) Wenn der Name „Steinschleuder“ genannt wird, weckt das nicht selten Aufmerksamkeit. Weil man meistens zuerst an eine Waffe denkt, schwingt in diesem Namen unweigerlich etwas Militantes mit. Umso interessanter ist es, zu erfahren, wie es zu dieser Namensgebung gekommen ist.

 

Zu jedem Problem gibt es eine Lösung

 

Die Idee zu einem Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit bezog sich für die jugendliche Gründergruppe seinerzeit auf ein einziges, ganz konkretes Projekt, nämlich den Bau einer Krankenstation für Tschernobylkinder in der Ukraine. So wenig Wissen, Können und Reife zur Bewältigung der bald anstehenden Aufgaben in der damaligen Gruppe vorhanden waren, so ungleich viel größer war die idealistische Begeisterung, die schließlich das eigentlich Unmögliche Wirklichkeit werden ließ: Die Krankentation mit ihren 24 Betten konnte tatsächlich im Jahr 1994 nach drei Jahren fertig gestellt werden! Auf dem Weg zu diesem Ziel hatte die Gruppe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es zu jedem Problem eine Lösung gab. Mit den Empfindungen freudiger Erleichterung tauchte dieses Motiv immer wieder in den Morgen- und Abendkreisen auf und verdeutlichte, dass es sich bei dieser Erfahrung um ein wesentliches Lern- und Entwicklungsfeld handelt. Indem wir halfen und Hilfe organisierten, haben wir selbst wichtige Schritte der Entwicklung gemacht. Das wurde uns geschenkt!

 

Jugendliche helfen Kindern und Jugendlichen in Armutsregionen

 

Diejenigen, die sich in der Steinschleuder engagieren sind sich der Gunst ihres Schicksals bewusst, die sie in gut versorgten, sicheren Verhältnissen leben lässt. Und sie empfinden es als schmerzlich, dass solche Lebensbedingungen nicht für alle jungen Menschen gegeben sind. Aus dieser Spannung, die sich zwischen der eigenen Komfortzone und den bitteren Lebensrealitäten in anderen Teilen unserer Welt aufbaut, resultiert der Wille, mit den eigenen Möglichkeiten helfen zu wollen.

 

Nun geht es in der Steinschleuder nicht um eine Entwicklungszusammenarbeit im herkömmlichen Sinne, sondern um eine schul- und ausbildungsergänzende Lernerfahrung, die von gut versorgten jungen Leuten dort gesucht wird, wo Menschen in unsicheren und materiell armen Verhältnissen in gänzlich anderen kulturellen Kontexten auf ihre eigene Art das Leben führen. Darin entwickeln sie notgedrungen eine Kreativität und einen Sinn fürs Wesentliche, wie es uns noch gänzlich fremd ist. „Noch“,  weil auch uns mittelfristig ähnliche Lebensbedingungen bevorstehen könnten.

 

Steinschleuder – Bewegung zur Bewegung

 

Zuerst agierte die Initiative schlicht unter dem Motto „Den Kindern von Tschernobyl“. Das passte für eine Weile, trug dann aber doch nicht mehr. Bei einem Treffen im Nordrhein-westfälischen Witten sprachen wir an einem langen Abend über die wunderbare Erfahrung, mit den eigenen, bescheidenen Mitteln die Welt tatsächlich zu einem Teil verändern zu können. Wir, die wir vor allem von Begeisterung getragen sind..., Jugendliche, die noch nicht über abgeschlossene Berufsausbildungen verfügen... Gemessen an den riesigen Probleme, derer wir uns annehmen, sind wir klein...

 

Schließlich tauchte das Bild vom kleinen David auf, der vor dem Riesen Goliath steht. Das faszinierte uns, weil ein „Kleiner“ mit seinen bescheidenen Mitteln einem „Riesen“ überlegen sein kann. Darauf, nicht auf die Gewalt der Waffe, kam es uns an, als wir uns den Namen „Steinschleuder“ gaben. Und ein anderer aus der Runde meinte, dass außerdem knapp gesagt sein soll, was mit allem bewirkt sein will: „Bewegung zur Bewegung“, Impulse in der Welt, die den Einzelnen zum guten Leben leiten, Einzelne, die sich in gemeinsam gemachten Erfahrungen grundsätzlich verändern. So war dann bald auf dem Briefpapier und auf den Infoheften zu lesen: „Steinschleuder – Bewegung zur Bewegung“, mit den Zusätzen „Zu jedem Problem gibt es eine Lösung“ und „Jugendliche helfen Kindern und Jugendlichen in Armutsregionen“.