Trotz Nachbeben bleibt alles einigermaßen gut

Nachbeben erschüttern Ecuador und verunsichern die Menschen. Von der aktuellen Situation berichtet Frank Isfort direkt aus Ecuador:

(fi) Die Erde kommt nicht zur Ruhe und die Sonnenschule hat auch diese Beben ohne Schäden überstanden. Einen Monat nach dem großen Erdbeben mit tausenden von kleinen und mittleren Nachbeben hat die Erde sich noch einmal kräftig geschüttelt. Zum Glück nur kurz.

 

Einmal 3.00 Uhr nachts mit Stärke 6,9 und am nächsten Tag mittags mit 6,8. Die Tiefe des Bebens wurde sehr unterschiedlich angegeben: Die US-Erdbebenwarte sprach von 31 Kilometern, das Geologische Institut Ecuadors berichtete von 6 Kilometern Tiefe, wie das große Beben auch. Die Beben habe sich in der gleichen Region ereignet, die vor einem Monat verwüstet wurde.

Natürlich sind die meisten Leute, wie ich auch, schnell nach draußen gelaufen. Als ich danach wieder im Bett lag, wusste ich nicht, ob das miniwackeln zwischendurch von meinem Herzschlag kam oder noch aus der Erde. Am folgenden Tag mittags saß ich im Cafe und da sind die Leute auch panisch raus in den Park gelaufen. Danach habe ich ein Gespräch von zwei älteren Schülerinnen mitbekommen. „Als es heute Nacht gewackelt hat, habe ich ganz laut nach meiner Mami geschrien. Ich hatte vielleicht eine Angst. Jetzt auch wieder. Lass uns nach Hause gehen“.

Mercedes hat mir erzählt, dass sie mit hunderten anderen Leuten die weitere Nacht im Park von Súa verbracht hat. Dazu kam noch die Angst vor einem Tsunami. Der Schock sitzt super tief bei den Menschen hier in der Region und sie haben sich nicht mehr in ihre Häuser getraut.

Isabel hat das Beben in Esmeraldas erlebt. Ein höheres Gebäude soll zweimal hin und her geschwenkt sein und ist dann in sich zusammen gestürzt. Die Leute sind in Panik geraten und auch Isabel ist nach Hause und hat sich erst einmal „versteckt“. Isabel weiß von etwa 20 Häuser die in Esmeraldas eingestürzt sind und etliche haben Risse oder Wände sind umgestürzt. Hatten wahrscheinlich schon Schäden vom ersten Beben gehabt. In Esmeraldas ist mehr passiert als bei dem Beben vor einen Monat. Die Leute die ihre Häuser verloren haben sollen vom Staat 1.000 Dollar Starthilfe bekommen. Damit kann man nicht viel reißen.

Wegen der Erdbebenangst sind an diesen Tagen kaum Kinder zu uns gekommen und die Schulen waren aus demselben Grund vier Tage geschlossen. Der Präsident Correa ordnete ein sofortiges Ende des Schulunterrichts im ganzen Land an, „bis es gesicherte Informationen über die Folgen gibt“.

Mercedes ist zwar an dem besagten Tag in die Sonnenschule gekommen, doch eine Stunde zu spät und total durcheinander. An Unterricht war da nicht zu denken. Auch die Helferinnen Johanna und Alexandra sind nicht gekommen. So habe ich den Kindern ihre Lieblingsbeschäftigung machen lassen. Spielen, was sie wie immer sehr genossen haben.

Etwas verwundert bin ich schon über die Reaktionen der Ecuadorianer. Ich bin davon ausgegangen, dass sie viel entspannter mit solchen Katastrophen umgehen, wo es hier doch öfter geschieht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Es grenzt fast schon an Hysterie wenn jede Unregelmäßigkeit für Vorboten eines neuen Bebens gedeutet wird. Joleidy und Alexandra sind vor Angst fast durchgedreht als es vor einem Regen dunkel und total still geworden ist. „Jetzt kommt ein weiteres Beben. Ist es hier vor Tsunamis sicher?“

Beim ersten Beben ist mir schon aufgefallen, dass die Menschen kaum noch raus gegangen sind und der Strand menschenleer war. Jetzt ist es wieder genauso. Der Strand von Atacames ist leer und in Súa sind auch kaum Leute draußen. In Súa hatten auch viele Geschäfte zu. Abends um 7 Uhr war absolut tote Hose und es war kein Mensch auf der Straße. Sonst ist an Wochenenden richtig was los.