Das Erdbeben am 16. April

Von unseren Projektpartnern in Ecuador ist durch das Erdbeben niemand zu Schaden gekommen. Frank Isfort berichtet von den Ereignissen: 

 

(fi) Zuerst einmal, es geht uns allen gut. Nichts passiert, nichts kaputt, nichts verloren

 

und nichts dazu gekommen. Danke auch für die vielen besorgten Nachfragen die ich

 

auch schnell beantwortet habe. Jetzt kommt der ausführliche Bericht.

 

 

 

Ich lag gerade im Büro auf dem Boden und habe meine Rückenübungen gemacht, als

 

plötzlich die Sonnenschule anfing zu wackeln. Oh ja, ein Erdbeben. Schon öfter erlebt.

 

Dann wurde die Wackelei aber immer heftiger und so bin ich schnell raus gesprungen.

 

Sicher ist sicher. Das ist gar nicht so einfach wenn alles wackelt! Dann stand ich da in

 

Unterhose und konnte es nicht fassen wie sich die Sonnenschule und der Boden

 

bewegten. Ich dachte nur, unglaublich wie viel die Sonnenschule aushält. Hoffentlich

 

passiert nichts!!! Die Stromleitungen schwangen wild hin und her und ich dachte, wie

 

lange halten die das wohl aus. Im selben Moment kam auch schon die Antwort, denn

 

der Herr nahm uns das Licht.

 

Von den Erdbeben die ich bis jetzt in Ecuador miterlebt habe, war das gestrige mit

 

Stärke 7,8 mit Abstand am stärksten. Es hat mit über zwei Minuten auch sehr lange

 

gedauert. Der Boden hat sich nur langsam wieder beruhigt und das laufen danach sah

 

so aus, als ob man nach einem Wochenende Segeltörn die ersten Schritte wieder auf

 

dem Land macht. In der Nacht hat es noch über 70 Nachbeben gegeben, doch ich habe

 

nur zwei Mal einige Stöße gespürt und jetzt ist erst einmal Ruhe.

 

Vor der Schule haben sich die Nachbarstöchter mit Freundinnen unterhalten. Die kamen

 

schreiend angelaufen und haben sich um mich gescharrt. Es kamen noch zwei andere

 

Nachbarn und der kleine Rudi angelaufen, sowie man das laufen nennen konnte bei

 

dem Beben. Das sah aus, als ob sie volltrunken gewesen wären. Es ist schon ein

 

komisches Gefühl wenn der Boden so wackelt. Noch komischer muss es ausgesehen

 

haben, wie ich in Unterhose und T-Shirt am Zaun stand, mich daran festgehalten habe

 

und eine Horde 14, 15 jähriger Mädchen sich um mich scharrte und Schutz suchte. Einige

 

heulten und alle schauten ziemlich ängstlich drein. In so Situationen bin ich total klar im

 

Kopf und überlegte schon, was man in Situationen die kommen könnten machen sollte.

 

Im Nachhinein wurde es mir aber etwas mulmig und ich war froh, dass nichts passiert war.

 

Es kamen kurze Zeit später einige übervolle Pickups mit Leuten an. Ich dachte mir, Pech

 

gehabt, ohne Strom keine Party. Als es dann immer mehr wurden, habe ich mal nachgefragt.

 

Die Leute sind vor einem möglichen Tsunami geflohen. Eigentlich Quatsch, denn das Epizentrum

 

lag so dicht vor der Küste, dass der Tsunami da gewesen wäre, bevor irgendjemand auf dem

 

Pickup gewesen wäre.

 

Wir hatten sehr großes Glück, denn in Aguas Frías und Atacames sind bis auf einige Mauern

 

und ein schiefes Haus kaum etwas kaputt gegangen, was man von Muisne und Pedernales,

 

wo das Epizentrum lag nicht behaupten kann. Da soll die Hälfte der Häuser kaputt sein. Ich

 

war am Sonntag mit unserer Helferin Mercedes da, um zu schauen ob das Haus der Familie

 

dort Schaden genommen hat. Zum Glück nicht.

 

Den Süden der Küste von Ecuador hat es mehr erwischt und selbst in Quito sollen über 20

 

Häuser eingestürzt sein - auch nur im Süden der Stadt. Warum bei uns so wenig passiert ist,

 

obwohl wir sehr nahe am Epizentrum liegen, ist mir ein Rätzel. Werde ich aber noch lösen. Am

 

Sonntag war auch in der ganzen Stadt Atacames kaum was los. Selbst am Strand waren so

 

gut wie alle Bars und Restaurants geschlossen. Daran merkt man schon, dass die Angst und

 

Erleichterung, dass hier nicht mehr passiert ist, sehr groß war.