Anders arbeiten

(pk) Das Goethe-Zitat „Das Was bedenke, mehr bedenke wie“, kann auch gut auf die Arbeitswelt angewendet werden. Während unserer Voroster-Tage im Ökodorf „Lebensgarten“ in Steyerberg haben wir auch diesbezüglich wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ja, es geht auch anders – und wie!

 

Zum weitläufigen Gelände des Lebensgarten, auf dem in liebevoll gepflegten Häusern etwa 200 Menschen in ökodörflicher Gemeinschaft leben, gehört auch ein Permakulturgelände, das „PaLS“. Auf dem hier üblichen sandigen Boden, seit einigen Jahren in Bioland zertifizierter Bewirtschaftung, werden dort im einen, intensiv bewirtschafteten Teil Gemüse und Kräuter angebaut, während in einem anderen Teil zahlreiche Bäume angepflanzt wurden und werden. Das Ganze vermittelt den Eindruck lebendiger Beziehungen zwischen Mensch und Natur. „Permakutur ist keine Anbaumethode, sondern ein Design“, erläuterte uns Declan Kennedy, der einer der Pioniere der inzwischen weltweiten Permakultur-Bewegung ist. Dieses Design erfasst konsequent auch die Rolle des Menschen in seiner Verantwortung innerhalb seiner Mitwelt. Arbeit, das wurde uns zum unvergesslichen Erlebnis, wird auch zu etwas grundsätzlich anderem, wenn sie der Verwirklichung eines permakulturellen Designs zudiensten ist.

 

Mit Beginn des Arbeitstages nach dem Frühstück geschah täglich bereits Ungewöhnliches: Wir versammelten uns auf dem Dorfplatz, um eine halbe Stunde miteinander zu tanzen. Klänge, Worte, Schritte und Figuren führten in verschiedene Kulturen und Zeiten der Welt. Fröhlichkeit und Lächeln legten sich auf die Gesichter der Beteiligten. „The earth is our mother we must take care of her...“, ist der Beginn eines Liedes, das die Hopi der weltweiten Permakultur-Bewegung vor Jahren in Seattle geschenkt haben. Nun tanzten wir zu diesen Worten und der eingängigen Melodie, und fühlten: Ja, das ist wahr!

 

In einem Nachbardorf lebt auf einem Resthof der mit dem Lebensgarten verbundene Schreiner Dirk. In einer ehemaligen Scheune hat er seine Werkstatt zur Herstellung feiner Spielzeuge eingerichtet. Dafür verarbeitet er Holz aus lokaler und regionaler Ernte. Was den agilen Ostfriesen mit dem unüberhörbaren, sympathischen Akzent auszeichnet, ist sein tatkräftiges Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, das rund um die Gebäude des Hofes sichtbar ist: Überall wachsen Bäume unterschiedlicher Größe, die er seine Kinder nennt. Buchen, Eschen, Ulmen, Eichen, Nussbäume… „Wenn ich Holz verarbeite, muss ich ebenso auch Bäume pflanzen“, bringt Dirk es schon bei der ersten Begegnung unmissverständlich auf den Punkt. Im Laufe der folgenden Tage haben wir mit ihm gemeinsam dreißig Bäume aus- und im PaLS-Gelände wieder eingegraben. Liebevoll und achtsam war der Prozess. Nicht effizient-arbeitsteilig organisiert, sondern so, dass jeder Baum in einem geschlossenen Prozess durch die gleichen Helfer*innen umgesetzt wurde.

 

Der amerikanische Komponist Charles Ives hat im vergangenen Jahrhundert „The unanswered Question“ geschrieben. Darin findet sich musikalisch jenes Erlebnis des weltoffenen Staunens ausgedrückt, an dessen Entdeckung und Pflege uns im InterAKTION-Kurs so sehr gelegen ist. Als insofern offene Frage haben wir aus Steyerberg mitgenommen: Wie anders könnte die Arbeitswelt sein, wenn in ihr viel mehr musikalischer Frohsinn und handfeste Achtsamkeit zu finden wären?