Mitten im Leben...

(pk) Wie anders die Lebens- und Arbeitsbedingungen in anderen Weltgegenden sein können, ist nicht leicht vorstellbar. Und wenn es annähernd gelingt, erscheinen die eigenen, komfortablen Lebensverhältnisse in anderem Licht. Auf diese Erfahrung kommt es uns bei unseren Aktivitäten (Kurs und Baucamp) an. In einem Newsletter vom Januar 2016 berichtet Frank Isfort von aktuellen Ereignissen in und um die Sonnenschule.

In der Sonnenschule können die Kinder sich in die Nutzung von Computern einweisen lassen. Der Unterricht wird von Nikolai, einem Deutschen, erteilt: „Kurz vor seinem ersten Unterricht hat er sich bei einem Motorradunfall den Fuß gebrochen. Jetzt ist es endlich soweit und er hat die ersten Stunden hinter sich. Die Kinder freuen sich und sind total bei der Sache.“ Allgemein spielt das Wetter eine wichtige Rolle, denn...“wenn es viel regnet kommen weniger Kinder vorbei, meist von der anderen Seite des Bachs. Der steigt dann so an, dass es gefährlich wird durchzulaufen. Da keines der Kinder einen Regenschirm hat, kommen sie dann klatschnass an und müssen trocken gerubbelt werden.“

Die Sonnenschule wäre ohne die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer nicht denkbar. Unter ihnen sind auch Dixon und Erick: „Sie helfen viel in der Sonnenschule mit, sind recht geschickt und gut zu gebrauchen. Jetzt haben sie mitgeholfen die Wände im oberen großen Zimmer abzuschleifen, die Polycarbonat-Platten zu montieren und andere Handlangerarbeiten zu machen. Mit der Machete arbeiten sie fast so gut wie Erwachsene. Sie haben die Bäume des Lebendzauns wieder beschnitten, was zweimal im Jahr gemacht werden muss, damit sie nicht zu hoch werden.“

Nachdem vor ein paar Jahren mit Geldern einer deutschen Stiftung ein Brunnen gegraben werden konnte, ist – als Ausnahme in dieser Gegend – Trinkwasser unproblematisch verfügbar. Das ist ein wahrer Segen für die Kinder: „Nach Ende der offiziellen Schule kommen immer Grüppchen durstiger Kinder vorbei. In der Schule in Aguas Frías gibt es kein Trinkwasser und so ist die Sonnenschule zur Trinkoase geworden, auch für Kinder die nicht bei uns sind.“

Aber Wasser, genauer gesagt Regenwasser, kann auch problematisch werden. Dann nämlich, wenn es einfach zu viel wird. Als bei starken Regenfällen das Wasser vom Dach in die Küche floss, und dort große Schäden zu verursachen drohte, wurde kreativ und improvisationsfreudig eine Lösung geschaffen: „Da wir keine Dachrinnen bekommen konnten, haben wir Plastikrohre halbiert und mit Moniereisen am Dach befestigt.“ Die Dimensionen „regnerischen Wetters“ nehmen sich in den tropischen Regionen, verglichen mit unseren Breiten, gigantisch aus: „Land unter, die Straße wurde zum Fluss, die Sonnenschule stand unter Wasser und zurück blieb der Schlamm. Die Leute meinten, sie hätten das noch nicht so erlebt. In Súa sind zwei Kinder ertrunken und Pferde, Kühe, Schweine, Hühner, Hausrat, Gasbehälter usw. ins Meer gespült. Man hat mir erzählt, dass sich Menschen auf die überfluteten Straßen gewagt haben und sich gegriffen haben, was sie bekommen konnten. Das Wasser ist in Brusthöhe durch die Straßen geflossen. (…) Die armen Menschen wohnen meist in Gefahrenbereichen, wo sie günstig Land bekamen oder es sich einfach genommen haben. Bei Überschwemmungen sind natürlich sie es, die dann oft alles verlieren. Die Tage danach saßen und campierten hunderte Menschen an den Hauptstraßen und haben fürs Überleben gebettelt. Viele Menschen haben ihr Haus verloren, Kühlschrank, Matratzen, Kleidung weg oder kaputt und überall der Schlamm. Selbst eine Woche später lagen noch überall Matratzen, Spielsachen usw. herum und die Menschen suchten nach noch brauchbaren Sachen.“

Mitte Juli kommt eine Gruppe Helfer der Steinschleuder, um uns bei einigen Projekten zu helfen. Sie haben uns über unsere Homepage entdeckt, sind auf uns zugekommen und haben ihre Hilfe angeboten. Für mich war es ein verspätetes Weihnachtsgeschenk.“